Warmbadetag

Ein Manatees-Ausflug zum tiefsten Pool der Welt.

Von Dagmar Andres-Brümmer

Henni auf dem Weg in die Tiefe.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, eine Woche in Dahab mag schon billiger sein als ein paar Tage im Y40. Und tiefer tauchen kann man im Blue Hole natürlich auch. Aber in Anbetracht der noch kalten Seen in unseren Breiten und der heiklen Lage auf dem Sinai schien uns der mit 42 Metern zurzeit tiefste Pool der Welt eine gute Alternative für ein paar Tage Warm-Up-Training für die anstehende Freitauchsaison. Zudem stand das Y40 schon lange auf unserer Liste der Reiseziele. Ein Spielplatz für Taucher – das muss man einfach ausprobieren.

 

Das Y40 gibt es seit knapp 2 Jahren und es schließt sich an das schon sehr lange bestehende 4-Sterne-Hotel Millepini im italienischen Montegrotto an. Das Hotel ist eins von Unzähligen in dem kleinen, ca. 50 km nördlich von Venedig gelegenen Städtchen. Im Wesentlichen besteht Montegrotto aus Hotels, Thermen, Spa- und Wellnessbereichen. Die Region ist Europas größte Thermalregion, und das schon sehr, sehr lange. Bereits vor mehr als 2000 Jahren hatten die Römer hier. am Rande der Euganeischen Hügel, Thermen und Badeparadiese errichtet. Grund für diesen Segen an Warmbademöglichkeiten ist das Thermalwasser, das mit rund 89 °Celsius und zahlreichend heilenden Mineralien versetzt aus der Erde sprudelt.

Die drei 40m-Leinen

Tauchen im Badeanzug

 

Ganz so heiß ist das Wasser im Tauchturm glücklicherweise nicht, aber mit 34 °C doch immer noch so warm, dass Badebekleidung vollkommen ausreicht. Neopren und somit auch Blei darf man ganz getrost zuhause lassen. Selbst so verfrorene Taucherinnen wie ich, die kein Schwimmbadtraining ohne Anzug überstehen, brauchen definitiv kein Neopren.

 

42 Meter ist die Röhre des Y40 tief. Das große, die Röhre umgebende Becken hat Plateaus auf verschiedenen Tiefen, auf 5, 10, 12 und 15 Meter. Auf all diesen Tiefen finden sich fest installierte Bojen mit Seil, so dass die gesamte Fläche beispielsweise zum Eintauchen zur Verfügung steht. In die Röhre hinein hängen von der Decke herab drei Tieftauchleinen mit einem Grundteller auf 40 m. Für Tauchgänge an diesen Leinen ist ein Lanyard Pflicht, den im Notfall könnten diese Leinen ähnlich wie bei einem Counterbalance, schnell über eine Umlenkrolle nach oben gezogen werden.

Besucher können die Taucher aus einem Tunnel heraus beobachten.

Anstehen an der Tieftauchleine

 

Wer die Wochenenden und die Abendtermine meidet, hat – wie wir – mit einiger Wahrscheinlichkeit das Glück, alleine oder mit einer Handvoll Tauchern im Turm zu sein. Und dann macht das Freitauchen hier schon mächtig Laune. Allerdings tut man gut daran, seine Tauchzeit optimal zu strukturieren und keine Zeit zu vertrödeln, denn nach Schlag 90 Minuten ist Schluß. Dann steht bereits die nächste Gruppe am Beckenrand und scharrt mit den Hufen. Im Gegensatz zu Siegburg sind hier Freitaucher und Gerätetaucher strikt getrennt und im Wechsel im Wasser – 90 Minuten die einen, dann 90 Minuten die anderen. In den beliebten Zeiten (Abend, Wochenende) wird’s dann auch schon mal gut voll. Maximal werden 40 Taucher ins Wasser gelassen. Und nun darf man sich ausrechnen, was das bedeutet, wenn alle an drei Leinen tauchen wollen. Wir waren bei einigen Sessions mit 22 Leuten im Wasser, also ca. 7 pro Leine. Das ist dann ungefähr so wie früher auf dem Spielplatz, als man an der Schaukel anstehen musste und der vor einem nicht aufhören wollte zu Schaukeln. Warm-up und zwei bis drei Abstiege – mehr ist dann in der zur Verfügung stehenden Zeit kaum drin. Und 40 Freitaucher im Pool mag ich mir gar nicht vorstellen.

Mein Rat: unbedingt unter der Woche und am Vormittag in den Turm gehen. Das bietet sich auch in sofern an, als die Region der Euganeischen Hügel einiges zu bieten hat und ein paar Tage Aufmerksamkeit verdient. Die kleinen Städtchen wie Monselice oder Este warten mit historischen Gärten, Kastellen, Basiliken, netten Cafés und unzähligen Schuhläden auf. Bis nach Padua sind es gerade 10 Minuten mit der Bahn und auch in Venedig ist man in gut 40 Minuten. Es gibt tolle Radstrecken, reichlich kulinarische Highlights und natürlich viele warme Thermalbecken und alles was das Wellness-Herz begehrt.

 

Tipps & Eckdaten

 

WEBSITE

Y40, The Deep Joy: www.y-40.com

 

KOSTEN Y40

Eine 90-minütige Tauchsession kostet 35 Euro pro Person (30 Euro zu den nicht stark frequentierten Tageszeiten) wenn man einen Buddy dabei hat. Wer alleine ist, brauchte entweder einen Guide als Buddy, dann kostet die Session 70 Euro, oder einen Trainer (90 Euro).

 

Buchung: entweder zahlt man vor Ort den Eintritt wie in jedem Schwimmbad (mit dem Risiko, dass es bereits voll ist) oder man bucht online über die Website. Ein etwas kompliziertes System aber ganz praktikabel, wenn man mal geblickt hat, wie es funktioniert.

 

ANREISE

Auto: Von Stuttgart aus sind es knapp 700 km. Mit dem Auto waren das inklusive Autobahngebühr und Pickerl (zus. 63 Euro) insgesamt knapp 200 Euro an Fahrtkosten ab Stuttgart.

 

Fliegen: man kann nach Venedig fliegen und von dort mit der Bahn oder bequem einem Shuttlebus direkt bis Montegrotto fahren. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Bologna-Venedig mit Zugverbindungen in beide Richtungen alle 30 Minuten.

 

HOTEL

Das Y40 schließt sich direkt an das 4-Sternehotel Millepini an. Übernachtung mit Halbpension kostet ca. 80 Euro/Person, nur Übernachtung mit Frühstück ca. 67 Euro, die Nutzung des Spa-Bereichs jeweils eingeschlossen. Darüber hinaus gibt im Ort eine Unmenge weiterer Hotels aller Preisklassen sowie Ferienwohnungen und einen Campingplatz.

 

"It's much better

down there."

 

The Big Blue, 1988

 

 

 

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